Engel des Vergessens

Engel des Vergessens

Fakten:
Buchtitel: Engel
des Vergessens
Originaltitel: Engel
des Vergessens
Autor: Maja
Haderlap
Verlag: btb
Buchreihe: /
Seitenanzahl: 288 Seiten
ISBN: 978-3442744763
Preis: 10,00€
Taschenbuch
Inhaltliches:
Erzählperspektive: eigentlich
Ich-Perspektive, allerdings wechselt es auch teilweise zu der dritten Person
Lesbarkeit: sehr flüssig
Besonderheiten des Buches: Es
gibt keine Kapitel und die Geschichte wird aus vielen verschiedenen
Perspektiven geschrieben.
Klappentext:
Maja Haderlap erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer
Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes, der Slowenen in Kärnten.
Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste
der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn.
Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre
Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg
vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie
gehört, ist er noch allgegenwärtig. Die Erinnerungen an jene schreckliche Zeit
gehören für die Menschen zum Leben wie Gott. Für ihr Romandebüt wurde Maja
Haderlap vielfach ausgezeichnet (u.a. Ingeborg-Bachmann-Preis,
Bruno-Kreisky-Preis, Rauriser Literaturpreis).
Charaktere:
Zentral ist das Mädchen, aus dessen
Perspektive erzählt wird. Da es sich um einen autobiographischen Roman handelt,
handelt es sich bei dem Mädchen um Maja selbst. Sie wächst mit den Geschichten
aus der schrecklichen Partisanenzeit während des ersten Weltkriegs auf und lebt
mit ihrer Familie in der Grenzregion Kärnten und Slowenien. Sie erzählt von
ihrer Großmutter und von deren Zeit im KZ. Die Großmutter ist eine sehr gottesfürchtige
Frau, die für alles das richtige Gebet parat hat und de von Maja als eine
zentrale Figur beschrieben wird. Mehr als die Hälfte des Buches wird von dieser
Person beansprucht. Maja hat zu ihrer Großmutter ein gutes Verhältnis und sucht
bei ihr oft Zuflucht, doch als sie auf das Gymnasium geschickt wird, bricht die
Zuneigung ihrer Großmutter ab.
Majas Mutter ist aufopfernd und setzt sich für
die Familie ein, auch sie ist sehr gläubig, wenn auch nicht so streng gläubig
wie ihre Schwiegermutter. Sie hat Freude an Gedichten und an Gesängen, doch ihr
Mann, Majas Vater, macht ihr das Leben durchaus schwer. Er leidet an starken
Selbstzweifel und hält die Familie mit seinen Launen ordentlich auf Trab und
sorgt für vielerlei negative Stimmungen im Haus. An ihn scheint lediglich Maja
heranzukommen, denn von seiner Frau scheint er nicht viel zu halten. Er scheint
zwei Gesichter zu haben, denn er ist zum einen selbstmordgefährdet und zum
anderen ist er der trinkfeste Geselle, der bei keinem Fest fehlen darf.
Die Charaktere weisen genug Tiefe auf um mit
ihnen mitleiden zu können, auch wenn oft schnell zwischen einzelnen Charakteren
gewechselt wird. Man durchlebt, wie Maja der Geist der Vergangenheit zu viel
wird und wie sie versucht aus ihrer Familie zu flüchten, nur um dann doch
wieder vom Engel des Vergessens eingeholt zu werden.
Inhalt:
Die Handlung beginnt mit den frühen Kinderjahren von Maja und es
wird erzählt, wie ihre Großmutter sich um sie gekümmert hat und zu welchem
Verhältnis sie zu welchen Personen steht. Im Laufe der Zeit wird Maja älter und
versteht ihre Umwelt besser. Je älter sie wird, umso mehr Geschichten erzählt
ihr ihre Großmutter über das KZ und darüber, was sie erlebt hat. Im weiteren
Handlungsverlauf besucht Maja das Gymnasium und immatrikuliert. Dieses Thema
ist in diesem Buch sehr zentral, ebenso wie das Thema der Partisanen. Maja
lernt erst im fortschreitenden Alter, dass sie die Vergangenheit nie gänzlich
abstreifen kann.
Die Handlung verläuft parallel zum Heranwachsen des Mädchens.
Die Autorin hat einen sehr ruhigen und gemessenen Erzählstil, der sehr
mitreißend ist. Sie legt besonders auf die Charaktere großen Wert. Auffallend
ist, dass die Geschichte durchwegs im Präsens gehalten ist und nur durch ein
Futur Abwechslung erlebt. Durch die gewählte Zeitform werden die Erzählungen
intensiviert und treten genauer ins Gedächtnis.
Dass dieser Roman den Bachmannpreis 2011 gewonnen hat, ist kaum
verwunderlich. Auch die Thematik Kärnten/Slowenien ist aktuell. Ein tolles
Leseerlebnis, das literarisch hervorragend gelungen ist.
Cover:
Das Cover ist sehr schlicht gehalten und erinnert mich an das
Haus, in dem sich die meisten der Erzählungen abspielen. Die Hausmauer wirkt
alt und weist darauf hin, dass es sich um keine moderne Geschichte handelt,
sondern, dass die Erzählzeit in der Vergangenheit angesiedelt ist. Die
Schriftart passt gut zum Hintergrund und die rote Titelfarbe hebt sich gut vom
hellen Cover ab. Ein gelungenes Cover, das zum Buch passt.
Empfehlenswert: Ja,
dieses Buch ist sehr zu empfehlen. 

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