drachiges Interview mit Ewa Aukett

drachiges Interview mit Ewa Aukett

Für den heutigen Beitrag haben wir ein Interview mit Ewa Aukett geführt. 

Warum schreibst du in diesem Genre?
Ewa: Ehrlich gesagt bin ich in mehreren Genres
unterwegs und probiere auch einfach gern mal was Neues aus. Fantasy liegt mir
aber ganz besonders am Herzen, weil die Möglichkeiten so vielfältig und
unbegrenzt sind. Ich kann mir meine eigenen Welten erschaffen, Wesen erfinden
und Dinge ausdenken, die in der Realität einfach unmöglich wären – es gibt
keine Grenzen, es sei denn, ich setze sie mir selbst.
Was findest du an Drachen so toll?
Ewa: Ich denke, es liegt an den Legenden, die
sich um sie ranken. Sie sind geheimnisvoll und majestätisch, sie können ebenso
grausam wie sanft sein, sie sind ebenso das Ende wie der Anfang. Die
Faszination beruht sicher auch darauf, dass man nie wirklich sicher sein kann,
ob es sie jemals gegeben hat oder nicht. Die „Märchen“ der Drachen sind fast
genauso alt wie die Menschheit … und jede Sage sprießt aus einem Körnchen
Wahrheit – wer weiß, wer weiß 😉
Hast du einen magischen Ort, an dem du deine
Inspiration zum Schreiben holst?
Ewa: Bedauerlicherweise nein, aber ich habe
die Suche danach noch nicht aufgegeben.
Wie stellst du dir den Drachen in deiner
Geschichte vor?
Ewa: Nun, in meiner Geschichte gibt es mehrere
Drachen. Von der Statur her sind sie sich sehr ähnlich, variieren lediglich ein
wenig in der Größe und deutlich in ihren Farben. Sie alle sind reitbar, aber
natürlich wesentlich größer als ein Pferd.
Nehmen wir als Beispiel Donchuhmuire, Lees Drache: Er besitzt einen muskulösen,
komplett mit grünschillernden Schuppen besetzten Körper, der auf vier kräftigen
Beinen sitzt. Als Mensch kannst du problemlos aufrecht unter ihm
hindurchschreiten.
Der Schwanz ist lang und flexibel, auf dem geschwungenen Hals sitzt ein großer
Schädel mit Hörnern, Ohren und einem Backenbart … ähnlich der Zeichnung, die
ich vor ein paar Tagen angefertigt habe. Der Kopf ist größer als ein erwachsener
Mensch. Lee kann sich also problemlos an seine Stirn lehnen und sein Gesicht
umarmen.
Eine Reihe aus kleinen und großen Hornplatten ziert den Kamm seines Halses, den
Rücken und den Schwanz. Außerdem hat er gewaltige Flügel, die er
zusammenklappen und eng an den Körper drücken kann, so dass sie ihn nicht
behindern, wenn er sich auf der Erde wandelnd fortbewegt.
Wie würdest du reagieren, wenn es Drachen wirklich
gäbe?
Ewa: Das wäre sicherlich abhängig davon, wie
die Drachen uns Menschen gegenüber gesonnen sind und ob sie uns lieber zu Asche
verbrennen wollen oder bereit sind uns eine Chance zu geben.  Wenn sie wie Donchuhmuire und seine
Artgenossen sind, dann wäre ich begeistert und würde mir nichts mehr wünschen,
als ihnen begegnen zu dürfen.
Gibt es Geschichten oder Bücher über Drachen,
die dich geprägt haben?
Ewa: Ich glaube, es waren tatsächlich
Ausschnitte aus der Nibelungensaga, die mich geprägt haben. Als Kind habe ich
diese Geschichte nicht selbst gelesen, aber aus Erzählungen erfahren, dass
Siegfried einen Drachen erschlagen und in seinem Blut gebadet hatte. Warum und
wieso war mir zu diesem Zeitpunkt völlig gleich. Ich war einfach nur entsetzt von
der Brutalität, mit der Menschen sich über andere Lebewesen stellen und sich
das Recht herausnehmen, alles auf dieser Welt für sich zu beanspruchen. Ab dem
Zeitpunkt war ich unwiderruflich auf der Seite der Drachen 😉
Welche Bedeutung haben Drachen in deinen
Büchern und welche Rolle nehmen sie ein?
Ewa: In meinen Büchern sind sie die Beschützer
und Hüter der Erde und ihrer Bewohner. Sie kämpfen für das Gute, aber sie sind
auch in der Lage, großes Leid zu verursachen und den Tod zu bringen.
Sind Drachen in deinen Büchern als positiv
oder als negativ dargestellt?
Ewa: Ich denke, dass sie überwiegend positiv
dargestellt sind. Die meisten Leser werden sich emotional vermutlich eher den
Drachen zuwenden, als meinen Schattenkreaturen.
Welche Drachenart findest du am
interessantesten?
Ewa: Ouh, das ist schwierig. Es gibt so
unglaublich viele und jede hat ihren Reiz. Wyvern und Lindwürmer finde ich ausgesprochen
interessant, weil sie viel Geheimnisvolles haben, das für mich noch fremd ist.
Wenn du ein Drache wärst, wie würdest du
aussehen und wo würdest du leben?
Ewa: Vermutlich wäre ich ein westlicher
Drache, ganz wie meine eigenen. Langer Hals, vier Beine, zwei Flügel,
peitschender Schwanz. Ich würde mir vermutlich einen Platz weit oben in den schottischen
Highlands suchen, wo ich ungestört bin und niemand sich an meiner Anwesenheit
stört.
Wieso schreibst du gerade über Drachen? Welche
Rolle spielen sie in deinen Büchern?
Ewa: Drachen sind meist gewaltig groß und
theoretisch in der Lage, alles mit einem Schritt zu zerquetschen, was ihnen in
den Weg tritt, oder es mit ihrem Feuer zu verbrennen. Aber sie missbrauchen die
Macht, die Mutter Natur ihnen mitgegeben hat, nicht. Sie sind nicht von Gier
und Neid zerfressen. Sie stehen über den Dingen.
Ich glaube, gerade weil sie uns Menschen vom Wesen her so ähnlich sind, weil
sie genau wie wir ebenso das Gute wie das Böse in sich tragen und sich entscheiden
müssen, sind sie auf eine ganz eigene Weise mit uns verbunden.
Hast du weitere Projekte geplant, in denen
Drachen eine Rolle spielen?
Ewa: Fürs Erste gibt es noch viele Projekte,
die erst einmal abgeschlossen werden müssen. Aber es wird ziemlich sicher auch
wieder etwas mit Drachen geben – es braucht nur seine Zeit.
Was verbindest du mit Drachen?
Ewa: Weisheit, Stärke, Mut und Liebe
Was ist das erste was dir einfällt, wenn du
das Wort „Drache“ hörst? Welches Bild hast du vor Augen?
Ewa: Ganz klassisch das Bildnis eines
Drachenkopfes mit geschuppter Haut, Hörnern, Ohren und Backenbart.
Als du die Geschichte geschrieben hast, hast
du von Anfang an gewusst, wie die Drachen aussehen und wie ihr Wesen ist, oder
hat sich das erst während des Schreibens entwickelt?
Ewa: Ganz grob war natürlich schon klar,
welchen Charakter meine Drachen haben, wie sie aussehen und agieren werden,
aber die Details haben sich erst im Laufe der Geschichte entwickelt.
Erzählungen wachsen in ihrem Entstehen und damit auch ihre Figuren, das gilt
für die Menschen ebenso wie für Drachen und alle anderen Wesen.
Wenn du eine Figur deines Buches sein
könntest, welche würdest du sein? Und warum?
Ewa: Oh je, wenn ich die Wahl hätte, wäre ich
sicher gern Lee … aber ich fürchte, ich bin doch eher Malissa, die Köchin. Die,
die sich lieber hinter ihren Töpfen versteckt, als sich in irgendwelche
blutigen Schlachten zu stürzen 😉
Wann war dein erster Kontakt mit dem Thema
„Drachen“?
Ewa: Na ja, das war wohl Ende der Siebziger
mit „Grisu, der kleine Drache“ – und vermutlich hat mir das auch gezeigt, dass
Drachen einfach toll sind 🙂
Findest du, dass Drachen häufig in Büchern
eingesetzt werden?
Ewa: Ich glaube, sie werden genauso häufig in
Büchern eingesetzt wie Werwölfe oder Vampire. Sie faszinieren uns und das finde
ich völlig in Ordnung. Niemand von uns kann das Rad neu erfinden, aber wir
können die Basis neu schmücken und mit ganz viel Farbe und Fantasie neue
Geschichten erzählen 🙂
Wie war es eine Geschichte zu schreiben, in
denen Drachen eine wichtige Rolle spielen? Fiel es dir leicht oder nicht?
Ewa: Ich habe diese Geschichte über so viele
Jahre mit mir herumgeschleppt, dass es ein Leichtes war, sie aus mir heraus zu
schreiben. Nur der dritte Teil fiel mir ausgesprochen schwer, denn er bedeutete
Abschied zu nehmen von allem, was mir lieb geworden war … und nun spüre ich die
gleiche Problematik beim Nachfolgeband der sich mit der nächsten Generation
befasst. Es wird ein Wiedersehen mit vielen liebgewonnenen Charaktären geben,
aber eben auch ein endgültiges Adieu.
Ein sehr interessantes Interview und wir danken Ewa dafür, dass sie sich für die Beantwortung unserer Fragen Zeit genommen hat 🙂

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